Dresdner neueste Nachrichten vom 18. Oktober 1928
Es war eine Schule an der Peripherie, ist es aber nicht mehr.Heute ist sie so modern, daß jede Schule im Zentrum sich ihr Gebäude so wünschen wird. Zwischen Altübigau, der Werft und der Reichswehrstation liegt die Thäterstraße, an ihr der Neubau der 42. Volksschule, der heute eingeweiht werden soll durch eine größere Feier, an der sich Elternschaft, Behörde und der Schulkörper beteiligen werden.
Acht Klassen hat sie ursprünglich gehabt. Sie war gebaut wie viele der alten Schulen. Innen Kaserne, außen eine Fassade, zu der man erst kam, wenn man allerhand heruntergeschlagen hatte. Auf siebzehn Klassen ist sie erweitert worden. Das Hochbauamt hat sich zu helfen gewußt. Es hat an die alte Schule einen Zwischenbau angeschoben und die neuen Klassen im Neubau darangesetzt. dadurch, daß man die alten Fenster übernahm oder neue geschickt angliederte, die ganze Fassade einheitlich putzte und einen gemeinsamen Sockel drum herum zog, ist ein einziger Bau entstanden, der es dem Betrachter schwer macht, Altes von Neuem zu trennen.
Im Zwischenbau finden sich die Garderobenschränke der meisten Klassen, die Toiletten und oben drauf eine Altane für astronomische Beobachtungen.
Die alten, glücklicherweise breiten Korridore setzen sich über Zwischen- und Neubau in ganzer Länge geradeaus fort. Sind leicht zu überblicken. Und hell, weil die Abschlussfenster an den Enden von der Decke bis an den Boden heruntergezogen sind. Das gibt ihnen ein freundliches, modernes Gepräge. Die Wände sind meist bis anderthalb Meter Höhe Fliesen. Sie sind demnach vor „Angriffen“ hinlänglich geschützt.
Alle Klassen haben fließendes Wasser, in Kachelnischen eingebaut. Haben elektrisches Licht und Steckkontakte für Projektion, schöne lange Wandtafeln mit eingebauten Schränken und moderne Grautafeln für „Wandmalereien“ mit farbigen Kreiden. In manchen sind noch alte Bänke. Die neuen Klassen aber haben Tische, an denen die ABC-SChützen in Gruppen zu sechs beisammen sitzen. Die Anstriche sind so hell und die Fenster so groß, daß auch die dem Licht abgewandten Kleinen deswegen kein schlechteres Licht haben.
Die eisernen, gelüfteten Garderobenschränke sind leicht kontrollierbar. Trinkwasser spendet ein Wasserauslauf, der im Bogen von unten ein Strählchen beraufsendet. Man braucht nur den Schnabel aufzumachen.
Es gibt ein Physiksammlungs-, -vorbereitungs- und -lehrzimmer mit Stark- und Schwachstrom, Gas und Wasser. Auch ein Uebungstisch mit sechs Arbeitsplätzen ist vorgesehen. Die Innenausstattung mit den glatten Sperrholztüren ist so sachlich und angenehm in der Form, daß Dekoration anderer Art überfällig erscheint. Das Nadelarbeitszimmer hat in der Höhe verstellbare Pulte, mit Metermaß und Nadelkissen dran. Es läßt sich durch eine Klappwand in ein Auditorium mit Bühne verwandeln. Es dient auch als Kombinationsklasse. Seine Beleuchtung hat, entsprechend der Arbeit, mehr Kerzen. Ein großer Zeichensaal ist im obersten, zweiten Stockwerk untergebracht. Ebenso ein besonderer Projektionsraum.
Daß Werkräume für Holz- und Papparbeiten, mit Werkzeuggarnituren und den notwendigsten Maschinen dazu, da sind, ist selbstverständlich. Sie sind im Keller untergebracht. Daneben findet sich ein Bad mit Terrazzowannen und Duschen, daß sein Wasser aus der Zentralheizung gegenüber bezieht. Und mit Ankleideräumen, versteht sich.
Auch die alte Turnhalle wurde dem Neubau angegliedert. Am einen Ende ist die Kinokabine, am andern eine Bühne für große Schulfeiern mit Beleuchtungsanlage angefügt worden. Toiletten für beide Geschlechter, Wasch- und Baderäume lassen die Halle jetzt auch für Vereine geeignet erscheinen.
Der mit Colas planierte Hof setzt sich - jeder Schulmann wird es mit Neid sehen - in einem sehr geräumigen Garten fort. Ein Gartenhäuschen birgt die Geräte zu seiner Pflege. Auch eine Spielwiese wird nächstes Jahr schönen Rasen haben. So ist hier durch Umbau und Erweiterung ein neuer, moderner Organismus entstanden. Hochbauamt und Schulamt, Dr. Wolf und Dr. Matthes im Verein mit Schulamtsmann Rudert zeigen, daß Landheime und Waldschulen auch auf die Stadtschulen günstig zurückwirken.